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Energetische Sanierung von Großwohnsiedlungen auf der Grundlage von integrierten Stadtteilentwicklungskonzepten
Aufwertung von Großwohnsiedlungen unter den Gesichtspunkten Energieeffizienz - Wohnungswirtschaft - Städtebau - Demografie
Die Ausgangslage
Angesichts der globalen Herausforderung des Klimawandels sowie langfristig steigender Energiepreise sind Energieeinsparung und die Senkung des Ausstoßes von schädlichen Klimagasen zentrale politische Ziele der Bundesregierung. Der Gebäudebereich steht für 40 Prozent des Energieverbrauchs und für 20 Prozent der CO2-Emissionen. Gerade hier liegen noch erhebliche Energieeinsparpotenziale, die es im Interesse der Umwelt, aber auch im Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner zu aktivieren gilt. Mit den durch Bundesmittel vergünstigten Förderprogrammen zum energieeffizienten Bauen und Sanieren (CO2-Gebäudesanierungsprogramm) der KfW Bankengruppe steht hierfür ein bewährtes und erfolgreiches Förderinstrumentarium zur Verfügung. Investitionen in die energetische Sanierung des Gebäudebestands dienen auch der Sicherung von Arbeitsplätzen, verbessern die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen und können zugleich den Belangen der Stadtentwicklung Rechnung tragen.
Ein zentrales Ziel: Energiesparpotenzial von Großwohnsiedlungen heben
Großwohnsiedlungen sind hervorragend geeignet, die erheblichen Energieeinsparpotenziale im Gebäudebereich schnell und effizient zu nutzen. Etwa 7,5 Prozent aller Wohnungen in Deutschland befinden sich in Großwohnsiedlungen, die in den 1950er bis 80er Jahren gebaut wurden. In diesen insgesamt rund 2,4 Millionen Wohnungen leben etwa 5 Millionen Menschen. Viele Gebäude weisen eine schlechte Energiebilanz auf und befinden sich in einem unsanierten Zustand.
Das Energieeinsparpotenzial von unsanierten Gebäuden beträgt in der Regel mindestens 50 Prozent. Bei einem unsanierten Gebäude können durch energetische Sanierung etwa 100 kWh pro Quadratmeter und Jahr Energie eingespart werden. Das entspricht pro Wohnung (70 Quadratmeter) bei aktuellen Energiepreisen (6 ct/kWh) rund 420 Euro Heizkostenersparnis im Jahr.
Auch der Klimaschutz profitiert davon: Bei gleichzeitiger Umstellung auf Nahwärme und durch Nutzung erneuerbarer Energien kann eine Emissionsminderung von rund 4 Tonnen CO2 pro Wohnung und Jahr erreicht werden.
Wettbewerb zur energetischen Sanierung von Großwohnsiedlungen
Um die Eigentümer von Großwohnsiedlungen bei der Erstellung integrierter Konzepte und differenzierter Investitionsstrategien zu unterstützen und somit die Sanierung zu beschleunigen, lobte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) im Januar 2009 den Wettbewerb "Energetische Sanierung von Großwohnsiedlungen auf der Grundlage integrierter Stadtteilentwicklungskonzepte" aus. Die beteiligten Wohnungsunternehmen und Genossenschaften reichten integrierte Gesamtkonzepte vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden demografischen Entwicklung und unter Berücksichtigung von Fragen zur Energieeinsparung und Energieeffizienz, der Stadtteilentwicklung, der Wohnraumversorgung, der Finanzierung sowie der Durchführung der geplanten Maßnahmen ein. Gleichzeitig sehen die Konzepte eine mehr oder weniger intensive Bewohnerbeteiligung vor.
Der Wettbewerb gab den Auftakt zur Entwicklung oder Weiterentwicklung integrierter Stadtteilentwicklungskonzepte unter Einbeziehung energetischer Aspekte. Die energetische Sanierung soll im Rahmen einer integrierten Entwicklungsplanung dafür genutzt werden, die Großwohnsiedlung insgesamt aufzuwerten.
Inhalte und Ergebnisse des Wettbewerbs sind in einem Ausstellungskatalog und einer Wanderausstellung aufbereitet. Der zugehörige Ausstellungskatalog steht hier zum Download zur Verfügung. Die Wanderausstellung kann beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ausgeliehen werden. Hierzu setzen Sie sich bitte mit der Geschäftsstelle Wettbewerb Großwohnsiedlungen im BBR unter der E-Mail wettbewerb-grosswohnsiedlungen@bbr.bund.de in Verbindung.
Weitere Schritte
Die beteiligten Wohnungsunternehmen haben mit ihren Wettbewerbskonzepten umfangreiche Grundlagen für die energetische Sanierung im Rahmen einer integrierten Stadtteilentwicklung erarbeitet. Nun gilt es, die integrierten Gesamtkonzepte weiter zu entwickeln und umzusetzen. Die praktische Umsetzung der Wettbewerbsbeiträge hängt von einer Reihe sehr unterschiedlicher Aspekte ab. Neben der Ausgangssituation in den Quartieren, wie beispielsweise die Siedlungs- und Gebäudetypen, variieren grundlegende Rahmenbedingungen wie die Gebäudesubstanz, die Marktlage des Gebietes, die Akteursstruktur oder die Bewohnerzusammensetzung.
Bisher liegen erst wenige Informationen darüber vor, welchen Einfluss solche und weitere Faktoren auf die Umsetzung der energetischen Sanierung im Rahmen einer integrierten Stadtteilentwicklung haben und wo Handlungsoptionen für eine zielgerichtete Unterstützung liegen. Daher wurden die beiden folgenden Forschungsprojekte entwickelt:
Begleitforschung des Wettbewerbs
Der Wettbewerb zielte auf die Erstellung integrierter Konzepte ab. Innerhalb der Begleitforschung soll evaluiert werden, inwieweit die Wohnungsgesellschaften den eingeschlagenen Weg auch nach Abschluss des Wettbewerbs fortzusetzen vermögen. Hierzu soll die Umsetzung der Konzepte über einen Zeitraum von fünf Jahren kontinuierlich beobachtet, analysiert und ausgewertet werden. Die Evaluation soll Erkenntnisse über die Umsetzungswege und -schwierigkeiten der Konzeptrealisierungen liefern. Sie kann zugleich Hinweise auf erforderliche Anpassungen der Förderinstrumentarien geben. Die Begleitforschung wird durchgeführt durch empirica AG.
Modellvorhaben zur energetischen Sanierung von Großwohnsiedlungen
Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Marktbedingungen sollen Herangehensweisen und ggf. Hemmnisse und Schwierigkeiten in acht Modellvorhaben erfasst und begleitet werden. Dabei geht es auch um die Betrachtung der z. T. komplexen Unternehmensstrategien auf realisierbare Einzelschritte bei der Umsetzung der Konzepte. Aber es geht hier auch um die Identifikation von Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vorgehen der Wohnungsunternehmen und die Frage an welchen Stellen ggf. Nachbesserungsbedarfe bestehen. Die Begleitforschung wird durchgeführt durch plan zwei aus Hannover.


