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Die Familie

Foto: Familie Welke/Wiechers mit einem Modell des Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität Familie Welke/Wiechers mit einem Modell des Effizienzhaus Plus (Quelle: BMVBS)

Am 20. Dezember hat Bundesbauminister Ramsauer im Erich-Klausener-Saal des Ministeriums Familie Welke/Wiechers als Gewinner gezogen.
Die Welke/Wiechers werden ab März 2012 das Effizienzhaus bewohnen und die Funktionalität des Forschungsobjekts testen.

Jörg Welke ist 42 Jahre alt und Historiker. Er arbeitet im Bereich Öffentlichkeitsarbeit/Forschung an einem Umweltinstitut. Simone Wiechers (42 Jahre) ist Kunsthistorikerin und in einer Galerie für zeitgenössische Kunst angestellt.

Die Kinder der beiden - Freyja (11 Jahre) und Lenz (8 Jahre) - üben beide musikalische Hobbies aus. Freyja spielt Cello, Lenz Gitarre.

Der Blog

Hier finden Sie die Erfahrungen der Familie.

Ökologisches Bauen – nicht nur in der Fasanenstraße

Immer wieder erleben wir bei unseren Führungen durch das Effizienzhaus Plus großes Staunen angesichts der zum Einsatz gebrachten Technik. Dabei ist vieles davon – zum Glück – nicht ganz neu und hat sich schon anderenorts verdient gemacht. Überall auf der Welt machen sich Architekten, Forscher und Ingenieure darüber Gedanken, wie ökologisches Bauen weiterentwickelt werden kann. Die Ausstellung „Grüne Häuser, tropische Gärten“, noch bis zum 10. März im Institut für Auslandsbeziehungen in der Linienstraße, Berlin, dokumentiert drei wegweisende Positionen nachhaltigen Bauens, Planens, Denkens und Lebens in Südostasien: der malaiiische Architekt Ken Yeang, der malaiische Landschaftsplaner Ng Seksan und die Grüne Schule auf Bali/Indonesien. Alle drei suchen nach Lösungen, die der Ressourcenverknappung,  der Erderwärmung sowie dem Bevölkerungswachstum gerecht werden.

Wir freuen uns, im Rahmenprogramm der Ausstellung eine Besuchergruppe im Effizienzhaus Plus zu empfangen und uns mit ihr über effizientes Bauen auszutauschen.

Editt Tower, Singapur, Planungsbeginn 2008, Architektur: T. R. Hamzah & Ken Yeang, © T. R. Hamzah & Ken Yeang

Die nebenstehende Abbildung zeigt den „Editt Tower“ (Economical Design in The Tropics) im Entwurf von Tengku Robert Hamzah und Ken Yeang. Yeang gilt als Pionier des sogenannten bioklimatischen Wolkenkratzers, der auf klimatische Veränderungen reagiert. Seine Hochhäuser werden als Niedrig- oder Null-Energiehäuser konzipiert. In ihnen verbinden sich High-Tech und organische Prinzipien. Dabei achtet er auf deren umweltgerechte Integration in ihren jeweiligen Kontext, um den Einklang der gebauten mit der natürlichen Umwelt in einem ganzheitlichen ökologischen System zu erreichen. Wiederkehrende Gestaltungselemente seiner Projekte sind Rampen, die die Vegetation von der Umgebung und dem Fuß des Hochhauses die Fassaden hinaufführen, begrünte Geschossflächen und vertikale Gärten von einheimischen Pflanzenarten als Sonnenblenden und zur Verbesserung der Luftqualität, natürliche Be- und Entlüftung, Flügelmauern, die Frischluft ins Gebäude lenken, sensorgesteuerte Außenjalousien zur Verschattung der Fassaden, ökologische Materialien, Nutzung von Solar- und Windenergie, Regenwasserauffang- und -aufbereitungssysteme  u.a.

In einem Interview gefragt, was ökologisches Bauen ökologisch macht, antwortete Yeang: „Der ganzheitliche Blick. Viele reden von grünem Design, CO2-neutralem Design, Design gegen Klimawandel und so weiter. Aber wir dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren, und das Ziel ist die Umwelt als Ganzes.“ Und weiter: „Die Natur an sich existiert immer in einem stabilen Zustand. Nur durch uns Menschen werden diese Kreisläufe gestört – ökologisch, klimatisch und energetisch. Wenn wir aber die Arbeitsweise der Natur imitieren – und das nenne ich Eco-Mimicry – kommen wir einer stabilen Umwelt wieder näher. [...] Die Natur nutzt nur solare Energie, keine fossilen Brennstoffe. Also sollten wir das auch nicht tun. [...] Die Natur kennt keinen Abfall – das ist ein rein menschliches Phänomen. Wenn wir die Natur imitieren wollen, müssen wir also alles wiederverwerten, was wir produzieren. Wolkenkratzer müssen nicht biologisch abbaubar sein, aber man kann sie so planen, dass man sie am Ende wieder auseinandernehmen kann – man nennt das design for disassembly.“ Das ist auch ein Prinzip unseres Hauses: Grundlage der Planung war ein ganzheitliches, über die Energieeffizienz hinausgehendes Verständnis von Nachhaltigkeit. So weit wie möglich kommen ökologisch verträgliche Materialien und Produkte zum Einsatz, die möglichst rückstandsfrei rezykliert werden können. Sämtliche Böden- und Wandbeläge wurden ohne Verklebung angebracht, um nach einem Um- oder Rückbau eine einfache und möglichst sortenreine Trennung klar identifizierbarer Materialien zu erlauben. Jetzt nur nicht genügsam werden und die Hände in den Schoß legen, fordert Ken Yeang: „Die Forscher müssen noch mehr forschen, die Ingenieure mehr entwickeln, die Architekten weiter grünes Bauen optimieren.“

Quellen: Katalog zur Ausstellung „Grüne Häuser, tropische Gärten“, 2012 im Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen und Berlin, erschienen (hier S. 5, 6, 21, 51f., 59ff.); Maik Novotny, Die Natur imitieren – Interview mit Ken Yeang, erschienen in: Der Standard, 29./30.10.2011, zitiert nach http://maiknovotny.com/text/die-natur-imitieren-ein-interview-mit-ken-yeang.

 

Die Kunst an unserem Bau II

Wenn schon in unserem letzten Eintrag vom Zusammentreffen von Kunst und Technik die Rede war, so trifft dies insbesondere auf das Schaffen von Holger Bär zu, denn er arbeitet mit einem Malroboter – aber zu seiner Arbeitsweise später mehr.

Bei unserem Einzug ins Effizienzhaus Plus war gleich klar, dass die Papierarbeit „Hauptbahnhof“ mitkommt, denn ihr Motiv ist für uns in gewisser Weise Sinnbild unserer Mobilität – und nicht nur, weil ich jeden Morgen mit dem Rad genau diese Stelle passiere.

Holger Bär, Hauptbahnhof, 2006

Die Arbeit entstand 2006 innerhalb der Serie „Preußisch Blau Berlin“, deren Namen Holger Bär von einer Farbstoffbezeichnung aus dem 18. Jahrhundert ableitete. Nur mit den Farben Blau, Grau und Weiß führt der Künstler das ständige Zusammentreffen von Tradition und Moderne im Berliner Stadtbild vor Augen, indem er städtebaulich markante und wiedererkennbare Orte auswählte und aufeinander bezog. Der Berliner Hauptbahnhof ist in seinem Blatt – im Jahr seiner Fertigstellung und Eröffnung auf dem ehemaligen Areal des Anhalter Bahnhofs – von der Wasserseite des Gebäudes gesehen, die Uferbefestigung der Spree zieht sich von der linken unteren Ecke des Blattes in sanftem Bogen zum rechten Blattrand verlaufend. Beim diesem Anblick des kompakten Gebäudekomplexes lässt nichts an das schwindelerregende Durcheinander der Ebenen in seinem Innern denken, schließlich laufen dort der öffentliche Nah- und Fernverkehr zusammen. Es ist immer wieder schön, dort seine Reise anzutreten, denn trotz seiner imposanten Dimensionen wirkt der Bau filigran und elegant. Er ist großzügig, futuristisch, gläsern und tageslichtdurchflutet. Einige der schönsten, abenteuerlichsten und lustigsten Familiengeschichten verbinden wir mit dem Bahnfahren. Die Bahn ist unser bevorzugtes Verkehrsmittel und von einer langen Autoreise nach Tirol zurückgekehrt, fühlen wir uns in dieser Einstellung wieder einmal bestätigt.

Das Dicht an Dicht der Farbpunkte im Blatt von Holger Bär legt die Vermutung nahe, dass sie nicht von Hand aufgetragen wurden. Das stimmt. Holger Bär führt nicht selbst den Pinsel, sondern er lässt malen. Er hat Roboter, die für ihn im Einsatz sind, seit er seine Malerei automatisiert hat. Seine Maschinen sind sein verlängerter Arm und dabei mehr als bloßes Werkzeug. Er hat sie selbst erfunden und gebaut. Ende 1989 lief seine erste Maschine, die frühesten Bilder entstanden wenige Jahre danach in einer Malweise, die er als „Digital painting“ bezeichnet. Dazu befestigt er Leinwand oder Papier auf einem Tisch. Ein Pinsel und eine Farbampulle sind an einem Gerüst montiert und bewegen sich auf der x- und der y-Achse eines Koordinatensystems über den Tisch. Mittels Computersteuerung kann der Pinsel jeden beliebigen Punkt anfahren. Der Farbauftrag geschieht durch Absenken des Pinsels, der einen kleinen Farbstrich auf dem Bildträger hinterlässt. Mit Hilfe von Druckluft wird der Pinsel regelmäßig mit frischer Farbe versorgt. Für jedes einzelne Bild schreibt Bär ein Programm, in dem Zahlen als Platzhalter für Farben fungieren. Die Rasterung seiner digitalen Vorlagen – meist Fotografien, die er am Rechner optimiert – ist seine Formensprache. Pixel für Pixel werden die Vorlagen so auf den Bildträger übertragen und damit in ein traditionell analoges Medium, die Ölmalerei, rückübersetzt.

Maschinelle Produktion dient der Vervielfältigung und Rationalisierung. Aber Holger Bär nutzt ein Bildprogramm kein zweites Mal, er reproduziert seine Werke nicht und stellt keine Auflage her. Die Verwendung einer Maschine in der Malerei macht skeptisch: Hat der Maler etwa nicht über seinem Werk geschwitzt? Wo bleibt die handwerkliche Fertigkeit? Und was ist mit der Intuition des Künstlers und seiner persönlichen Handschrift? Selbst wenn Holger Bär ein Motiv mit identischen Farben mehrmals mit demselben Programm malte, würde kein Bild wie das andere aussehen. Es kommt vor, dass der Pinsel eine dunklere, zuvor aufgetragene, noch feuchte Malschicht durchläuft und sie dabei im weiteren Bildverlauf verwischt. Ausgerechnet also nicht vorhersehbare „Fehler“ machen die Individualität des Bildes und damit die Handschrift der Maschine aus, weil sie nicht wiederholbar sind. Jedes Bärsche Bild ist, obwohl von der Maschine gemalt, ein Unikat, denn Pinsel und Farbe verhalten sich nicht digital. Der Malprozess von Hand wäre für den ausgebildeten Maler Bär gewiss schneller als die kleinteilige Übertragung der Pixel in Pinseltupfer auf die Leinwand, aber Effizienz spielt für ihn keine Rolle.

Wer ihn kennt, weiß wie klar, präzise und affirmativ Holger Bär ist. Er ist ein Sportler, der die Herausforderung sucht und sich stets am Erreichten misst. Er ist ausgestattet mit einer großen Portion Humor und Begeisterungsfähigkeit. All das findet sich in seinen Bildern wieder. Holger Bär hat eine Liebe zum vermeintlich unscheinbaren Detail. Er schaut genau hin und wählt Bildausschnitte, die große Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Ordnung und Ausgewogenheit sind ihm in seinen Bildern wichtig. Scheinbar banale, belanglose Motive sind sorgfältig und harmonisch komponiert. Dazu teilt er seine Landschaften und Stadtansichten in klar voneinander geschiedene Bildzonen ein und nähert sich mit Vorliebe dem goldenen Schnitt. Der in die Tiefe führende Weg zur Erzeugung von Räumlichkeit, die staffageartigen Figuren, die horizontale Dreiteilung des Bildes in Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund bzw. Himmelszone sind Kompositionselemente, wie wir sie aus den unspektakulären Landschaften des 19. Jahrhunderts kennen. Ebenso kennen wir seit dem 19. Jahrhundert das Malen mit Punkten, den Pointillismus, auf den Holger Bär zurückgreift: Dem intuitiven Verhältnis des Impressionismus zur Farbe wurde durch den Pointillismus ein theoretisches Vorgehen entgegengesetzt: Georges Seurat entwickelte durch das Studium wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Gebiet der Optik und der Farbtheorie eine Maltechnik, in der er systematisch gleich große Farbpunkte dicht nebeneinander auf die Leinwand setzte. Im Auge des Betrachters selbst sollte die eigentliche Farbmischung stattfinden. Anders als Georges Seurat betonte Paul Signac, der seinen Malerkollegen um mehr als vierzig Jahre überlebte, dass der Farbauftrag nicht an den Punkt gebunden sei. Seine Auffassung einer Malerei, die von der Freiheit der Form und der Kraft der Farbe dominiert ist, mündete in äußerster Konsequenz in die Abstraktion. Insofern arbeitet Holger Bär, der dem Gegenstand verpflichtet ist, auf den Spuren von Georges Seurat und dessen punktförmigen Farbauftrag.

In seinen jüngsten Arbeiten gelingt es Holger Bär, die Farbe in kleinen, gleichförmig kreisrunden Punkten auf die Leinwand aufzutragen. Der Pinselduktus, die Pinselführung und der Farbverlauf sind nicht mehr erkennbar. In vielfältigen Nuancen breiten sich die Punkte dicht an dicht – enger als bisher – beinahe gestempelt, über die gesamte Leinwand aus und fügen sich wie ein flimmerndes Mosaik zusammen.

Obwohl Holger Bär mit einer größeren Farbskala arbeitet, werden seine Bilder nicht „bunter“. Die Farben mischen sich im Auge des Betrachters zu einem intensiven Farbklang. Wenn bislang vorwiegend Blautöne den Himmel darstellten, benutzt Holger Bär dafür jetzt ein kleinteiligeres belebendes Nebeneinander von Blau, Rot, Gelb und Grün. Dadurch werden zum Einen viel mehr Einzelheiten im Bild sichtbar und die Gegenstände gewinnen an Präzision. Zum anderen gibt die farbigere Palette Lichtverhältnisse intensiver und feiner wider.

In der Gegenüberstellung von Werken aus den Jahren 2008 bis 2010 mit neueren Bildern seit 2011 lässt sich in einer noch bis zum 16. März in der Stiftung Burg Kniphausen zu sehenden Ausstellung wunderbar ablesen, welche Entwicklung Bärs Maschinenmalerei in den letzten Jahren genommen hat. Sie zeigt damit auch: Nicht die Fertigkeit seines Computers ist seine Stärke, sondern sein virtuoser Umgang mit seinem Instrument.

sw

Die Kunst an unserem Bau – Teil I

Kunst und Technik haben vieles gemeinsam. Im EH+ und in dem Design der Elektrofahrzeuge begegnen uns beide Bereiche sogar gleichzeitig. Wir haben bei unserem Einzug Kunstwerke mitgebracht, die uns und unsere Gäste begeistern und manchmal nachdenklich stimmen. Das ist die Kunst an unserem Bau, die unser temporäres Zuhause in seiner Bedeutung als Kraftwerk für uns unterstreicht.

Die metallenen Jalousien als steuerbare Verschattungselemente auf der gesamten Ostseite des Hauses übten von Anfang an eine gewisse Faszination auf uns aus. Schon bald nach unserem Einzug traf sich die Familie mehrmals auf der Gartenbank, um der Haussteuerung unsere bevorzugten „Szenen“ zu lehren: Jedes Jalousieelement und seine Lamellen können auf eine bestimmte Uhrzeit oder im Zusammenhang einer bestimmten Beleuchtungssituation als sogenannte Szene programmiert werden. Wenn sich alle Jalousien gleichzeitig in Bewegung setzen, geht zuerst ein akustisches Rucken durch das Haus, es folgt ein Klacken und Surren, das wir wohl zur Erinnerung an unsere Zeit im Effizienzhaus aufzeichnen und jedes Jahr am 20. Dezember – dem Tag unserer Auslosung – anhören werden. Deswegen haben wir uns besonders gefreut, als wir in diesem Sommer auf der Documenta im Nordflügel des Kasseler Hauptbahnhofs auf die Installation der koreanischen Künstlerin Haegue Yang aus nichts anderem als motorisierten Jalousieelementen trafen und dem poetisch choreografierten Spiel der Lamellen zusehen durften. Und auch Timm Ulrichs „Konzert der Türen“ auf der diesjährigen „abc“ auf dem Berliner Gleisdreieck, eine offene Holzarchitektur mit quietschenden, sich automatisch öffnenden und schließenden Türen, bedient sich ausschließlich architektonischer Elemente und verweist uns auf unser Haus. Technik und Automatismus können helfen, Energie – auch wenn sie regenerativ ist – einzusparen. Für den Bewohner eines Effizienzhaus Plus ist deshalb der ebenfalls auf der diesjährigen Documenta gezeigte Film „The Most Electrified Town in Finland“ von Mika Taanila über den Bau eines Atomkraftwerks nicht nur beklemmend, sondern führt uns die Absurdität nuklearer Energieerzeugung vor Augen.

Speziell für unsere Wohnsituation hat der auf Rügen geborene Maler Jörn Grothkopp (geb. 1969) ein großformatiges Bild von Kois gemalt, die sich in ihrer auf gedämpftes Orange reduzierten Farbigkeit mit dem Rot des Treppenaufgangs zu einem warmen Farbklang verbinden. Mit seinen großen Glasfronten zur Straßen- und Gartenseite liegt der Vergleich des Hauses von Werner Sobeck mit einem Aquarium nahe, in dem sich die Testbewohner wie Fische im Wasser bewegen.

Jörn Grothkopp, Koi 2012, Öl auf Leinwand, 250 x 150 cm

Die orangerot gefleckten Tiere stromern in weichen Schwüngen sanft und rhythmisch über die weiße, harmonisch komponierte Leinwand. Kein einziger Pinselstrich ist zu sehen, Körperlichkeit ist nur zart angedeutet. Die Kois scheinen sich zu gruppieren und einem gemeinsamen Ziel zuzustreben, ohne sich zu berühren. Ihnen dabei zuzusehen, hat etwas Kontemplatives – bei all dem Trubel im Haus eine willkommene Auszeit. Craig Reynolds formulierte 1986 drei Verhaltensregeln, nach denen sich Tiere in Gruppen bewegen: Bewege dich in Richtung des Mittelpunkts derer, die du in deinem Umfeld siehst (Kohäsion). Bewege dich weg, sobald dir jemand zu nahe kommt (Separation). Bewege dich in etwa in dieselbe Richtung wie deine Nachbarn (Alignment). Parallelen zum menschlichen Miteinander sind evident. „Swarming“ ist ein soziokulturelles Phänomen. Letztlich erinnert uns die Arbeit von Jörn Grothkopp auch an die Tatsache, dass technische Innovationen die Möglichkeit eröffnen, in effizienten und ressourcenschonenden Kooperationssystemen – vergleichbar mit einem Schwarm – zusammen zu arbeiten. Im Schwarm gelingen uns Aufgaben, die das Individuum nicht lösen kann. Unser Schwarmverhalten und unsere kollektiven Interaktionen beeinflussen die Zukunft unserer Mobilität und unserer Energieversorgung. Die explosionsartige Vermehrung von Common Cars in Berlin und der Trend zu dezentraler Stromerzeugung in Bürgerhand sind Zeichen. Wohin führt uns die gemeinsame Suche und wie werden wir zum Nachahmen angeregt? Und zeigt sich am Ende etwa, dass zur Quelle nur derjenige gelangt, der gegen den Strom schwimmt? Eine Ausstellung zum Thema „Schwarm-Prinzip“ findet 2013 im Kunstverein Harburger Bahnhof in Hamburg statt, in der eine Arbeit von Jörns Kois nicht fehlen darf.

SW

Kochen im EH+

Energiesparen wird uns leicht gemacht im EH+. Wir wohnen sparsam, fahren CO2-frei Autos und Pedelecs, wir produzieren unseren eigenen und sogar noch mehr überschüssigen Strom für das Netz. Aber wie sieht es aus mit den anderen Lebensbereichen, die für unseren gigantischen durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von rund elf  Tonnen pro Jahr in Deutschland verantwortlich sind? Das sind 9000 Kilogramm mehr als das, was Menschen weltweit nur noch emittieren dürfen, wenn das Zwei-Grad-Ziel zur Beschränkung des Klimawandels bis zum Jahr 2050 erreicht werden soll.

Der große Ballon beinhaltet die CO2-Emissionen für eine Portion Rindersteak mit Tiefkühlpommes, der kleine die Emissionen für unsere Ricotta-Ravioli

Mobilität und Wohnen sind eben nicht alles im Leben. Da haben wir noch den Konsum und unsere Ernährung,  die beide ordentlich zu Buche schlagen. Wie können wir in den beiden Bereichen also noch CO2 Emissionen einsparen?

In diesem Jahr haben wir am UfU, dem Umweltinstitut an dem ich arbeite, ein Pilotprojekt gestartet, das genau diese Frage stellt. 2°privat hat zum Ziel, Haushalten zu helfen, umweltschädliche Alltagshandlungen  aufzugeben und neue energiesparende  Routinen einzuüben. Dabei unterstützen Klimacoaches, die ein Jahr lang analysieren, messen, beraten und vor allem helfen, Verhaltensänderungen zu verstetigen.  Eine Testfamilie hat sich bereit erklärt, mitzumachen und deshalb nehmen wir  nun die Ernährung ins Visier.

Die EH+ Testfamilie lädt also die 2°privat Testfamilie zum gemeinsamen Kochen ein. Zur Professionalisierung der Aktion wird ein Koch dazu geholt, der sich im energiesparenden und umweltgerechten Kochen auskennt: Alex Sommerfeldt vom Kochabenteuer.

Er erklärt, dass es vor allem darauf ankommt, sich mit regionalen, saisonalen und fleischarmen Gerichten zu ernähren. Wir kochen, messen nach und stellen fest: Die selbstgemachten Ricotta-Ravioli schlagen das – virtuelle – Rindersteak klimatechnisch um Längen. Soweit so gut. Wir wissen also, wie wir unsere CO2 Bilanz verbessern können. Der Haken dabei: Ricotta-Ravioli schmecken zwar gut, aber Rindersteaks eben auch. Und außerdem wollen wir beim Kochen nicht andauernd darüber nachdenken, wie wir das Klima zerstören.

Die Lösung: Wir müssen nicht von heute auf morgen zu genussfremden Asketen werden, sondern können nach und nach unseren Speiseplan umstellen, austesten was gut schmeckt und gleichzeitig CO2 Emissionen vermeidet und uns so nachhaltige Ernährung angewöhnen. Den von uns selbst am UfU entwickelten CO2-Rechner brauchen wir dann nur jeweils einmal beim Kochen eines neuen Gerichts benutzen und müssen uns später keine Gedanken mehr darüber machen.

Die Ricotta-Ravioli haben übrigens super geschmeckt.

18. Juli: Die Soda-Säule

Fährst Du E-Auto, lernst Du Leute kennen. Große Fahrt in den Urlaub nach Amrum: Die Reise ist wie immer gut vorbereitet, der Golf bis obenhin pickepacke voll. Die erste Etappe zu Freunden nach Tüschow im Mecklenburgischen muss bereits in drei Stücke geteilt werden. Der erste Tank-, äh, Ladestopp an der Raststätte Walsleben bringt eine böse Überraschung. Der Betreiber verlangt für eine Stunde Laden an der Schukosteckdose (ca. 3 Kilowattstunden) fünf Euro, für die er selbst höchstens 80 Cent zahlt. Was für ein rip-off. An der nächsten Station dann das ganze Gegenteil: Das Autohaus in Neustadt-Glewe hat eine riesige PV-Anlage auf dem Dach. Der Chef freut sich geradezu, dass er uns grünen Strom schenken kann. Aber auch hier dauert es und deshalb schmeißen wir uns bei schönstem Sonnenschein für drei Stunden an den Strand des Neustädter Sees. Am Abend rollen wir mit letzter Kraft auf die Einfahrt des Sonnenhauses unserer Freunde auf dem Land und werden auch hier mit Solarstrom und – fast noch besser – mit einem vollbelegten Grill beglückt.

Klar, ist ´ne Text-Bild-Schere, aber trotzdem schön.

Der nächste Tag ist noch genauer durchgeplant. Wir müssen unser Schiff auf die Insel um 14:35 bekommen. Es ist das Letzte an diesem Tag. Der Schlamassel fängt schon bei der Abfahrt an. 20 Minuten Verzug. Bei einem durchgetaktetem Reiseplan mit Elektroauto schon eine mittlere Katastrophe. Die Schnellladesäule in Hamburg wird schnell gefunden – sie befindet sich in einem Parkhaus in der Innenstadt wo natürlich Parkgebühren fällig werden. Grrrrr. Nach einer Stunde geht’s weiter zu einer der zwei einzigen Ladesäulen jenseits von Hamburg Richtung Norden in Itzehoe. Die Tankstellenwärterin an deren Tankstelle die Säule steht, hatte bei einem vorherigen Telefonat erklärt, es sei eine „Soda“-Säule. Die stehe halt nur so da und noch nie habe sich jemand in ihrem zweijährigen Bestehen an ihr bedient. Deswegen funktioniert sie auch erst mal nicht. Reagiert nicht auf die Kommandos von der App, reagiert auch nicht auf die Freischaltungsversuche des zwar netten aber offensichtlich überforderten Call-Center Mitarbeiters des Anbieters, der mit unterschiedlichen Softwareversionen zu kämpfen hat. Wertvolle fünfzehn Minuten später springt das Ding wundersamer Weise doch noch an und die Prozente in der Ladeanzeige steigen. Leider rückt auch der Zeiger der Uhr vor. Jetzt heißt es rechnen: Wie viel Strom brauchen wir bei welchem Tempo in welcher Zeit zum Schiff? Die Entscheidung fällt nach einer Dreiviertelstunde – so müsste es klappen. Auf den letzten 119 Kilometern sieht alles gut aus. Wir haben noch eine gute halbe Stunde und eine Reichweite von 15 Kilometern am Anfang der Halbinsel Nordstrand, von deren Hafen die Adler-Express durchs Wattenmeer nach  Amrum starten soll. Dummerweise gibt es zwei Häfen – das hat das Navi nicht erwähnt. Südhafen ist leider falsch und der richtige Nordhafen ist noch zehn Kilometer weit entfernt. Jetzt wird’s eng. Um kurz vor halb drei sind wir an der Mole, schmeißen das Gepäck raus und müssen das Auto noch über den Deich auf den bewachten Parkplatz fahren, wo wie verabredet ein vom Hafenmeister vorbereitetes Ladekabel auf uns wartet. Das Auto will aber nicht mehr. Es fühlt sich im absoluten Halteverbot anscheinend wohl und macht keinen Pieps mehr. Nach vier nervenzerfetzenden Minuten und zig Versuchen tut es uns noch einmal den Gefallen und rührt sich wieder. Das Schiff ist bereits in Sicht. Jetzt schnell im Schritttempo die Deichstraße hoch und auf der anderen Seite runtergerollt. Und als ob es noch nicht gereicht hat bis hierher, gabelt sich die Straße ohne Hinweisschild, ich nehme die falsche Abbiegung und lande mit einem letzten E-Seufzer vor dem Haus der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Selten so gelacht.

Freyja und Lenz vor der Rettungsstation

Die Seenotrettungsjungs sind zum Glück echt fit, lassen sich in zwei Minuten die Lage erklären, schieben das Auto von der Straße auf ihren Parkplatz, schaffen fix ein Verlängerungskabel ran und weisen freundlich darauf hin, dass das Schiffshorn von hinterm Deich die baldige Abfahrt meines Schiffes signalisiert. Noch ein Sprint und ich bin am Pier, die Familie steht schon auf dem Vordeck und alles ist gut. Jetzt kann – und muss – der Urlaub kommen.

Es war übrigens wieder wunderschön auf Amrum.

3. Juli: Rekord!

168 Kilometer! und noch 15 km Restreichweite: Das Ende einer elektrischen Fahrt durch vier Bundesländer. Aber alles der Reihe nach. Am vergangenen Samstag haben wir uns auf den Weg gemacht, die Kinder bei ihrer Oma in Kassel abzuholen. Morgens um sieben in Berlin gestartet, gehen wir auf Nummer Sicher und steuern den Golfplatz Seddiner See nur 40 km vom EH+ entfernt in Brandenburg an. Die Golfer sind offensichtlich Frühaufsteher und ballern die Bälle von der Driving Range, dass es eine Freude ist.  Nach einem entspannten Spaziergang geht‘s weiter nach Halle in Sachsen-Anhalt zur bereits bekannten Ladesäule der EnviaM, diesmal aber mit Freivertrag fürs Stromtanken.

Bergab und mit Rückenwind rechnet sich der Computer die Reichweite schön

Das funktioniert auch prima, dauert aber länger als erwartet. Aber Halle ist ja eine sehr sehenswerte Stadt und wir fahren um drei Uhr weiter nach Mühlhausen in Thüringen zur nächsten Station.

Auch hier dauert das Laden viel länger als gedacht, so dass wir erst um sieben wieder auf der Piste zur letzten Etappe  über den hohen Meißner nach Baunatal in Hessen sind. Immerhin kommen wir rechtzeitig zur zweiten Halbzeit des EM-Finales Spanien-Italien an. Naja, so viel haben wir scheinbar nicht verpasst. Und dann der Schreck: Das Auto ist komplett leer und lässt sich nicht mehr laden, weder an der Haussteckdose, noch an der örtlichen Ladesäule von e.on. Am Montag machen sich die Techniker von VW auf den Weg von Wolfsburg nach Baunatal und checken das Auto durch. Dabei stellen sie fest, dass der Stecker falsch herum in der Steckdose war und außerdem die Ladesäule nicht funktioniert. Nebenbei bemerken sie, dass die Ladegeschwindigkeit des Autos begrenzt war und nun turbomäßig laden dürfte. Das ist nicht zu viel versprochen. Die Rückfahrt verkürzt sich um vier Stunden und zwei Ladepunkte.

Kommt von den Anlagen dahinten der Strom für unser Auto?

Außerdem stellt sich heraus, dass die Höchstreichweite mit 150 km eher konservativ angegeben wurde. Federfuß und gemütliche 90 km/h bringen am Ende die tolle Reichweite. So macht E-Autofahren Spaß.
JW

 

30. Juni: Samstag Abend vor dem UEFA EURO 2012-Finale: Jacques Tati statt Public Viewing

Vor mehr als einem Jahr schon hatten Heinz Stahlhut und ich die Idee, in einem Freundeskreis eine Reihe von französischen Filmen seit dem 2. Weltkrieg Open Air zu zeigen. Nur: Wo sollte das gehen ohne Anwohner und Nachbarn zu nerven? Nach Einzug in unser Effizienzhaus war schnell klar, dass unser Garten in der Fasanenstraße der geeignete Ort sein könnte. Mittwoch letzter Woche zeigte sich schließlich beim Probeaufbau, dass es nicht einfach ist, eine sechs mal vier Meter große Leinwand so zu stellen, dass sie nicht mit dem Wind davonsegelt. Zum Glück ist ja ein großes Schaufenster Teil des Effizienzhauses, das sich als idealer – und sehr urbaner Ort – entpuppte. Unsere Auswahl der Filme für den ersten Abend unserer Filmreihe veranstaltet von den „Amis du cinema francais“: Jacques Tatis Kurzfilm „Die Schule der Briefträger“ und sein dritter Spielfilm „Mein Onkel“. In der „Schule der Briefträger“ ist Tati der langbeinige Briefträger, der die Post in Rekordzeit auszutragen lernt. Wir wussten bisher: Radfahren schont die Umwelt und spart Geld. Jetzt wissen wir außerdem, wieviel komödiantischen Stoff das Radfahren bietet – auch wenn bei Fortschritt und Rationalisierung persönliche Beziehungen und Menschlichkeit schnell einmal auf der Strecke bleiben können.

Kino im EH+

Vergleichbar, der mehr als ein Jahrzehnt später gedrehte Langfilm „Mein Onkel“: Zwei Welten prallen aufeinander, in denen Klänge und Geräusche den Ort markieren. Das Haus der Arpels ist vollautomatisiert, sie sind modern und fleißig, der Haushalt makellos, voller technischer Errungenschaften, das Auto ist blitzblank. Eine Horde herumstreunender Hunde hat mittels Bewegungsmelder die Eheleute in der Garage eingesperrt. War da nicht was mit unserer Katze Susi? Hulot lebt in einem alten Pariser Stadtteil, er ist arbeitslos. Der wasserspeiende, gurgelnde Blechfisch im Vorgarten seiner Schwester und seines Schwagers wird nur eingeschaltet, wenn wichtige Leute kommen, Hulot gehört nicht dazu. Und dennoch hat Tati Verständnis für die Bewohner dieses Musterhauses und lässt die Geschichte versöhnlich ausklingen. Am Ende waren sich unsere Gäste einig: Wir brauchen auch einen Blechfisch!
SW

29. Juni: Reiseplanung

Neue Autos, neues Glück. Am kommenden Sonntag wollen wir testen, wie weit wir mit VW kommen. Das Auto: Der Golf blue e-motion mit versprochenen 150 km Reichweite. Das Ziel: Baunatal bei Kassel wo die Kinder bei der Oma Ferien machen. Die Etappen: Michendorf, Halle, Mühlhausen, Baunatal. Überall dort stehen Ladesäulen, von denen wir zwei auch schon getestet haben. Mittlerweile sind wir stolze Besitzer eines kostenfreien Kundenvertrages mit RWE, der uns unterwegs Stromlieferungen garantieren soll. Eigentlich kann nichts mehr schief gehen. Wer möchte, kann das alles live auf Twitter verfolgen: @ImEffizienzhaus. Gleich früh um sieben machen wir uns auf die Piste und hoffen Abends zu Omas Rippchen-Essen anzukommen.
JW

Tour d'electricité

13. Juni: Schüler im EH+

Anfrage meiner Kollegin vom UfU (Unabhängiges Institut für Umweltfragen): Ob nicht eine Gruppe von Jugendlichen aus ihrem Projekt Klimaschutz in Schule und Kiez sich das EH+ anschauen könnten. Klar, ein Termin wird gemacht und sogar das Info Radio möchte dabei sein.

„Der Induktionsherd ist toll“ findet Seydamur. Der sei nicht nur sehr Energie sparend, sondern zudem sehr sicher, da man sogar seine Hand darauf legen könne, ohne sich Verbrennungen zuzuziehen. Die Drei kommen von der ersten Gemeinschaftsschule Berlin-Mitte und sind vom Effizienzhaus Plus beeindruckt. Es sei eine gute Idee von den Ingenieuren, Fotovoltaik für die Stromproduktion zu entwickeln, meint Mahmoud. Mohamed gefallen die Elektroautos, mit denen sie als Beifahrer eine kurze Runde um den Block drehen dürfen. Am Effizienzhaus sehen die Schüler, wie sich ein gut gedämmtes Haus selbst und noch dazu Elektroautos mit Erneuerbaren Energien versorgen kann. Dass aber das Einsparen von Energie genauso wichtig ist, wissen sie sehr genau. Sie selbst werden von UfU-Mitarbeitern im Projekt Schule und Kiez ein Jahr lang zu Energieberatern ausgebildet. Währenddessen und danach sollen sie im Moabiter Stephanskiez in Geschäften, Unternehmen und in den Wohnungen der Kiezbewohner helfen, Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen. Heute haben sie gesehen: Sowohl innovative Technik, aber auch sinnvolles, energiesparendes Verhalten müssen Hand in Hand gehen, um CO2 Emissionen zu vermeiden und das Klima zu schützen.
JW

11. Juni: Die Geistersäule

Die Serie der Pleiten, Pech und Pannen beim Laden außerhalb Berlins reißt nicht ab.

Männertour 2012 – es geht nach Freyburg an der Unstrut. Ein Teil der Gruppe kann erst am Freitag Abend fahren und da kein Zug mehr fährt, freuen sich die beiden Mitfahrer schon auf ein echtes Live-Elektroautoabenteuer.

Natürlich ist die Tour ladetechnisch detailreich durchgeplant. Bereits kurz hinter der Stadtgrenze Berlins wollen wir am Golfplatz Seddiner See einen kurzen Zwischenstopp einlegen und an der dortigen Ladesäule auftanken. Das funktioniert leidlich, da wir zunächst unwissender Weise die falsche Seite der Säule anzapfen die mit einem kleinen Hinweis versehen ist: “Einphasige Ladung”. Dass dies eine um mehr als die Hälfte verlangsamte Lagegeschwindigkeit bedeutet, erschließt sich mir als Fahrer und den zwei mitreisenden Herren (beides keine Ingenieure) erst, nachdem wir eine Stunde später entsetzt auf den Ladezustand der Batterie starren und feststellen müssen, dass gerade mal ein paar mickrige Prozent dazu gekommen sind. Nachdem wir die Seite gewechselt (die der Ladesäule) und wir auf der Terrasse des Golfklubs selbst ein alkoholfreies Bier getankt haben, geht´s zügiger voran. Schließlich wagen wir uns mit 80 Prozent Ladestand auf die weitere Reise.

Trotz Jeans-Verbots bekommen wir ein Bier auf der Terrasse des Golfklubs

Nächster geplanter Stopp ist im 130 km entfernten Schkeuditz. Dort soll sich laut RWE-Mobility-Homepage eine Säule mit zwei Ladepunkten befinden. Was wir mit einer Restreichweite von 20 km und um 12 Uhr nachts vorfinden, sind zwei verlassene Lagerhallen in einem einsamen Gewerbegebiet direkt an der Autobahn. Was fehlt, ist die Ladesäule. Nachdem wir das komplette Gelände eine dreiviertel Stunde lang mit Fernscheinwerfer, zu Fuß mit Taschenlampen und mit Hilfe des Kollegen der RWE-Nothotline abgesucht haben, ist klar, dass unsere Reise möglicherweise hier enden wird. Wir entschließen uns dann aber doch, zu versuchen, die nächstgelegene Säule zu erreichen: Kabelsketal. Das klingt gut nach Kabel und wir hoffen, dass die auf der e-kWh-App angezeigte Säule auch vorhanden und sogar betriebsbereit ist. Das ist sie, wie wir feststellen, nachdem wir sie mit letzter Reserve gegen ein Uhr Nachts erreichen. Wir legen das Auto an den Strom und laden so viel nach, wie wir bis nach Freyburg noch brauchen werden. Weiter geht’s mit Federgasfuß, ohne Klimaanlage, Radio und Navi (alles zum Stromsparen ausgestellt). Gegen halb drei Uhr rollen wir schließlich mit bereits gedrosseltem Motor und den letzten verbleibenden Wattminuten auf den Parkplatz des Hotels.

Die Jungs vor Ort hatten dank regem Live-Touren-Ticker per SMS großen Spaß.

 

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