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Forschung

Workshop des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung „Erfahrungen zum Leben im Effizienzhaus Plus“ - Halbzeitbilanz des BMVBS zum Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität

Im Rahmen des Netzwerkes „Effizienzhaus Plus“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wurde am 23. November 2012 ein Workshop zum Thema „Erfahrung zum Leben im Effizienzhaus Plus“ durchgeführt.
Eingeladen waren sieben Familien, die in Effizienzhäusern Plus Standard wohnen. Mit ihnen, Architekten, Forschern und Betreuern solcher Modellprojekte wurden erstmals die technischen und sozialen Fragestellungen des Standards „Effizienzhaus Plus“ diskutiert.
Über 50 Teilnehmer hatten sich zu diesem Erfahrungsaustausch zusammengefunden.

Nach einer Einführung zu den Plänen der Bundesregierung zur Energiewende, stellte Ministerialrat Hans-Dieter Hegner (Leiter des Referats Bauingenieurwesen, Nachhaltiges Bauen, Bauforschung) verschiedene Modell- und Förderprogramme des BMVBS zu energieeffizientem Wohnen vor. Darunter auch das in Berlin realisierte Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität. Neben dessen Entstehungsgeschichte und baulichen Besonderheiten wurde weiterhin das aktuell umgesetzte Netzwerk „Effizienzhaus Plus“, in dem bis Ende des Jahres 31 weitere Bauvorhaben gefördert werden, dargestellt.

Erste Ergebnisse des technischen sowie des sozialwissenschaftlichen Monitorings des Effizienzhauses Plus mit Elektromobilität nach acht Monaten Wohnzeit wurden von Herrn Hans Erhorn (Leiter der Abteilung Wärmetechnik, Fraunhofer Institut für Bauphysik) und Frau Anja Wilbrandt (BIS Berliner Institut für Sozialforschung) präsentiert und diskutiert.

Technisches Monitoring des Effizienzhaus' Plus

Für das technische Monitoring wurden die monatlichen Bilanzen für den Endenergieverbrauch, die Energiequellen und die Energienutzung sowie die Erträge der Photovoltaikanlage und die kumulierten Energieerträge erfasst. Erste Ergebnisse zeigen, dass für das Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität der kumulierte Photovoltaik-Ertrag aufgrund der diesjährigen geringeren Sonneneinstrahlung geringer ausfällt als prognostiziert, der Hausverbrauch hingegen geringfügig höher liegt als vorherberechnet.
Insgesamt produziert das Vorhaben jedoch mehr Energie als es zum Betrieb benötigt. Der bisher erwirtschaftete Photovoltaik-Überschuss liegt bei ca. 6000 kWh.

Sozialwissenschaftliches Monitoring des Effizienzhaus' Plus

Erster Rückblick, Familienworkshop 23.11.2012: Nach acht Monaten Wohnzeit wird deutlich, dass die vom Haus gewonnene Energie für die Bedürfnisse der Familie voll ausreicht. Die Familie fühlt sich sehr wohl in dem Haus und geniesst den Komfort ohne ein schlechtes Gewissen wegen des Energieverbrauchs haben zu müssen. Sie nutzen auch gerne die Elektromobilität und haben bereits gut 8000 km mit den Autos sowie 3500 km mit den Pedelecs zurückgelegt.
Als eine Herausforderung erwies sich bislang lediglich die Lüftungsanlage, die, da nicht manuell regulierbar, im Sommer regelmäßig die warme Außenluft in die Innenräume beförderte und so zu einer unangenehmen Aufheizung des Wohn- und Schlafbereiches beitrug.

Herr Staatssekretär Rainer Bomba betonte, wie wichtig es sei, die Energiewende richtig zu kommunizieren. Die Einbindung der Bürger, die Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse und Bedenken sei sein Anliegen. Der Workshop könne als Baustein für diesen Partizipationsprozess gelten und die Beteiligten könnten so die Energiewende am Besten in den Alltag der Gesellschaft integrieren.

In der anschließenden Diskussion wurden Erfahrungen der Effizienzhaus-Familien mit Lüftungsanlagen, Raumtemperaturen, Photovoltaik, Wärmepumpen und Elektromobilität ausgetauscht. Es zeigte sich, dass z.B. die Vor- und Nachteile einer Lüftungsanlage im Vergleich zur herkömmlichen Fensterlüftung recht unterschiedlich wahrgenommen werden. Sie sei wohl effizient, leicht zu bedienen und könne eine konstante Raumtemperatur sicherstellen – auf der anderen Seite jedoch ein Gefühl der Abschottung zur Außenwelt erzeugen sowie den Frischluftschub einer Fensterlüftung nicht ersetzen. Weiterhin wurde deutlich, dass die Art der Erzeugung der von den Bewohnern benötigten Energie – sei es mit einer Photovoltaikanlage, Solarthermie oder Wärmepumpen – keinen Einfluss auf die Wohnqualität hat. Bedenken im Vorfeld, ob das Haus ausreichend Energie erzeugen könne, waren gering und noch viel wichtiger: unbegründet. Einige Familien berichteten über ein verändertes Verhältnis zum eigenen Energieverbrauch, das sie in ihrem neuen Wohnumfeld erworben hätten: Die Unabhängigkeit von Energiepreisen sei sehr entspannend, die Erfassung und Beobachtung des eigenen Verbrauchs mache Spaß und wecke den Ehrgeiz, noch energiebewusster zu agieren.
Insgesamt äußerten sich alle Bewohner durchweg positiv über ihre Erfahrungen zum Leben in ihrem Effizienzhaus.
Handlungsbedarf wurde von den Anwesenden vor allem in Bezug auf zwei Dinge gesehen: Zum einen gebe es ein mangelndes Angebot an bezahlbaren Elektroautos sowie eine fehlende Ladeinfrastruktur. Zum anderen müsse die Ausbildung von Architekten sowie der Ausbau der Planungsberatung beim Bau von Effizienz Plus Häusern weiter voran getrieben werden: Es gibt noch zu wenige Architekten und Handwerker, die sich mit der Materie auskennen.

Bilder zum Workshop des BMVBS - „Erfahrungen zum Leben im Effizienzhaus Plus“


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