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Bauen und Wohnen

Stadtumbau West

Innenstadt im Ruhrgebiet Innenstadt im Ruhrgebiet (Quelle: pixelio.de/Thomas Max Müller)

In den Städten der alten Bundesländer zeichnet sich immer deutlicher ein wirtschaftlicher und demographischer Strukturwandel ab. Dies stellt die Kommunen vor die Herausforderung, auf diese Entwicklung auch vorbeugend städtebaulich zu reagieren. Deshalb hat die Bundesregierung bereits im Jahr 2002 mit der Unterstützung der Städte beim Stadtumbau in den alten Ländern begonnen und das ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West (Experimenteller Wohnungs- und Städtebau) gestartet. Auf Grundlage dieser Erfahrungen legte die Bundesregierung im Jahr 2004 das Städtebauförderungsprogramm Stadtumbau West auf.

Programm Stadtumbau West

Das Programm Stadtumbau West unterstützt inzwischen über 400 Kommunen bei der Bewältigung des demographischen und wirtschaftlichen Strukturwandels. Von 2004 bis einschließlich 2012 wurden insgesamt ca. 574 Millionen Euro Bundesfinanzhilfen für Stadtumbaumaßnahmen eingesetzt. Mit den ergänzenden Mitteln von Ländern und Gemeinden (insgesamt zwei Drittel) stehen in diesem Zeitraum ca. 1,723 Milliarden Euro für die Umsetzung des Programms Stadtumbau West bereit. Für das Jahr 2013 sind im Bundeshaushalt 83 Millionen Euro Bundesfinanzhilfen für den Stadtumbau West vorgesehen.

Mit dem Bund-Länder-Programm will der Bund die Städte in den alten Bundesländern dabei unterstützen, sich frühzeitig auf die notwendigen Anpassungsprozesse einzustellen. Ziel ist die Herstellung nachhaltiger städtebaulicher Strukturen auf der Grundlage von städtebaulichen Entwicklungskonzepten.

Das Programm umfasst folgende Kernpunkte:

  • Erarbeitung und Fortschreibung von integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepten als Grundlage für die Herstellung nachhaltiger städtebaulicher Strukturen in den Städten,
  • Aufwertung der von wirtschaftlichem und militärischem Strukturwandel betroffenen Stadtgebiete, zum Beispiel durch Wieder-/Umnutzung von Brachflächen oder durch Stärkung der Stadtquartiere als Wohn- und Wirtschaftsstandort,
  • Anpassen der Wohngebiete der 1950er bis 1970er Jahre an den aktuellen Bedarf, Schaffung zukunftsfähiger, familiengerechter und generationsübergreifender Wohnformen, Vermeiden von Leerstand.

Stadtumbau West - Evaluierung

In den Städten und Dörfern der alten Länder zeichnet sich deutlich ein wirtschaftlicher und demografischer Strukturwandel ab, der aktiven Handelns bedarf. Die Koalitionsvereinbarung unterstreicht die Notwendigkeit, den Stadtumbau West weiter zu entwickeln. Dazu soll eine Evaluierung des Bund-Länder-Programms Stadtumbau West dienen.

Zur Vorbereitung der Programmevaluierung wurde 2008/2009 eine Befragung von Kommunen im Programmbereich Stadtumbau West durchgeführt. Die Evaluierung des Programms Stadtumbau West wurde von einem unabhängigen Auftragnehmer durchgeführt und durch eine Lenkungsgruppe begleitet. Im Ergebnis der Evaluierung wurde aufgezeigt, dass die Umsetzung des Programms Stadtumbau West Erfolg versprechend angelegt ist. Es gibt aber auch Verbesserungsbedarf. Es wurden Handlungsempfehlungen erarbeitet, die Kommunen und deren Bürgerinnen und Bürger, insbesondere private Einzeleigentümer, beim Umbau ihrer Städte und Dörfer unterstützen können. Die Ergebnisse der Evaluierung des Bund-Länder-Programms Stadtumbau West waren ein Schwerpunktthema des bundesweiten Kongresses zu den Perspektiven im Stadtumbau  am 3. November 2011. Die BMVBS-Sonderveröffentlichung "Stadtumbau West: Evaluierung des Bund-Länder-Programms" kann hier heruntergeladen werden.


Grafische Karte zeigt die Bundesfinanzhilfen von 2004 bis 2011 des Programms Stadtumbau West. Stadtumbau West - Bundesfinanzhilfen 2004 bis 2011 (Quelle: BBSR)

ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West

Der Bund stellte für das ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West in den Jahren 2002 und 2003 insgesamt 30 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel des Forschungsvorhabens war es, übertragbare Strategien zur Lösung der Stadtumbauprobleme anhand von Pilotprojekten zu entwickeln. Mit Projektwerkstätten für die 16 Pilotstädte wurde der Erfahrungsaustausch zwischen den Städten gefördert. Für ein breites Fachpublikum wurden fachöffentliche Foren durchgeführt, die eine Plattform für die fachliche und politische Diskussion des Themas "Stadtumbau West" boten. Das Forschungsvorhaben wurde nach fünf Jahre Laufzeit erfolgreich abgeschlossen.

Der 2008 veröffentlichte Abschlussbericht zieht eine Bilanz im Forschungsfeld und ist auf der Internetpräsenz des Stadtumbau West veröffentlicht. Fazit des Berichtes ist unter anderem, dass die umgesetzten Impulsprojekte in den Pilotstädten eindrucksvoll die Bedeutung des Städtebaus bei der Bewältigung von Schrumpfung, Leerstand und Unternutzung belegen. Innerhalb von nicht einmal fünf Jahren haben in einigen Pilotstädten ganze Stadtquartiere ihr "Gesicht" verändert und mancherorts großflächige Industriebrachen neue Nutzungen gefunden. In einigen Städten wurden die Impulse räumlich stärker verteilt, sind daher nicht so augenfällig, aber meist nicht weniger wirkungsvoll. Beispiele für solche "Wahrzeichen" in den Pilotstädten sind der Rheinberger in Pirmasens, der Bürgerpark in Selb und das Maximilianschloss in der Gemeinde Jesberg des interkommunalen Verbundes Schwalm-Eder-West. 

Bomba besucht Tagung "Jugend macht Stadt"

Vernetzung und Wissenstransfer

Im Rahmen der wissenschaftlichen Programmbegleitung mit dem Ziel der Bewertung der Effizienz des Programms und des Erkenntnistransfers wurde die Bundestransferstelle Stadtumbau West eingerichtet. Als Auftakt zur Programmevaluierung wurde im Herbst 2008 die Befragung von Kommunen im Programmbereich Stadtumbau West durchgeführt. Diese wurde durch eine Fortschrittsuntersuchung zu den Pilotvorhaben Stadtumbau West nach Abschluss der Aktivphase des ExWoSt-Forschungsvorhabens flankiert. Die Auswertung der Ergebnisse der Kommunalbefragung war eines der Schwerpunktthemen des Kongresses Stadtumbau West im Juni 2009.

Weitere aktuelle Forschungsprojekte

Modellvorhaben „Jugend belebt Leerstand“ (ab 2011)

Im ExWoSt-Forschungsfeld "Jugendliche im Stadtquartier" hat der Bund Modellvorhaben "Jugend belebt Leerstand" gestartet. Über 215 Projekte haben sich dafür beworben. Eine Jury, in der auch Jugendliche aktiv mitgewirkt haben, hat die Modellvorhaben ausgewählt: 8 "Jugend-Checks" (planerische Konzepte) und 8 "Jugend-Baus" (konkrete Umnutzungsidee für ein leerstehendes Gebäude). Die Jugend-Checks  können zum Teil eine spätere Umsetzung zu einem "Jugend-Bau" ermöglichen. In diesen Modellvorhaben nutzen Jugendliche in besonders innovativer Art und Weise Räume um und setzen dadurch ihre Belange und Interessen direkt um. Die Projekte  sollen einen nachhaltigen Effekt auf die Stadt- und Quartiersentwicklung haben. Für die neuen Modellvorhaben stellt das BMVBS insgesamt 1,5 Millionen € bereit, auch für Investitionen in die leer stehenden Gebäude. Es ist eine Unterstützung je Vorhaben 25.000 € für den Jugend-Check und bis zu 120.000 € für den Jugend-Bau vorgesehen.

Eigentümerstandortgemeinschaften (ESG) (2008 - 2011)

Ein ExWoSt-Forschungsfeld beschäftigt sich seit 2008 mit der Gründung und Entwicklung von Eigentümerstandortgemeinschaften (ESG). Bei der Umsetzung der Programme Stadtumbau Ost und West hat sich die bessere Einbeziehung der privaten Einzeleigentümer als wichtiges Handlungsfeld herauskristallisiert. Dies gilt vor allem für die Altbaubestände in den Innenstädten. Die ESG löst sich ein Stück weit aus der einzelwirtschaftlichen Betrachtung des Einzeleigentümers (Rentabilität der eigenen Immobilie), um gemeinschaftlich die Quartiersrentabilität in den Blick zu nehmen. Dahinter steckt der Ansatz, dass eine Verbesserung im Quartier auch den Einzeleigentümern nützt.

Im Vordergrund des Interesses steht insbesondere die Unterstützung der ESG bei Vorhaben zur Aufwertung innerstädtischer Wohnquartiere im Kontext des Stadtumbaus. Wenn der Einstieg in die Kooperation mit und zwischen den Eigentümern gelingt, so die Erfahrung aus den ExWoSt-Impulsprojekten, kann der Stadtumbau viel bewegen.

Beim ExWoSt-Forschungsfeld sind Zuwendungen an die Modellvorhaben vorgesehen, die über die Forschungsbegleitung hinaus auch in der konkreten Vorbereitung und Umsetzung der Eigentümerstandortgemeinschaften eingesetzt werden können (Erarbeitung von Grundlagenerhebungen, Erarbeitung von quartiers- und bestandsbezogenen Konzepten für die Eigentümerstandortgemeinschaften, Beratungs- und Moderationsleistungen).

Das Forschungsfeld wurde mit einer Konferenz am 15. November 2011 in Berlin abgeschlossen. Zentrales Ergebnis des Forschungsfeldes ist ein Leitfaden, der Empfehlungen zur Gründung und zur Arbeit von Eigentümerstandortgemeinschaften enthält. Der Leitfaden kann von der Homepage des BBSR heruntergeladen werden.

Kooperation im Quartier (KIQ) (ab 2011)

Das neue ExWoSt-Forschungsfeld baut auf den Ergebnissen des Forschungsfeldes "ESG" auf und ergänzt diese um einen zusätzlichen Ansatz. Grundidee ist, dass die Aktivierung, Koordinierung und Beratung der einzelnen Eigentümer über deren örtliche Verbände erfolgt. Diese begegnen sich mit der Kommune auf Augenhöhe und nehmen gemeinsam Aufgaben der Quartiersentwicklung in Angriff. Die Arbeit der Modellvorhaben ist angelaufen.

Zwischennutzungen und Nischen im Stadtumbau (2006 - 2008)

Durch Sammlung und Untersuchung von 41 Fallstudien konnten im ExWoSt-Projekt Anregungen für die Umsetzung von Zwischen- und Nischennutzungen in der städtebaulichen Praxis in ost- und westdeutschen Kommunen gewonnen werden. Die Studie zeigt Handlungsempfehlungen zum praktischen Umgang und Lösungswege für typische Fragestellungen bei Planung, Organisation und Vertragsgestaltung auf. Der Endbericht wurde in der Reihe Werkstatt: Praxis vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) veröffentlicht.

Renaturierung als Strategie nachhaltiger Stadtentwicklung (2007 - 2009)

Im ExWoSt-Projekt "Renaturierung als Strategie nachhaltiger Stadtentwicklung" wurde anhand von guten Beispielen untersucht, wie städtische Standorte anlässlich einer nicht-baulichen Nachnutzung im Rahmen von Stadtumbaumaßnahmen durch "mehr Grün" und Naturnähe an Attraktivität gewinnen können.

Gutachten "Freiräume für Kinder und Jugendliche" zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplanes (NAP) "Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 - 2010"

Das Forschungsprojekt nimmt den Auftrag an, der von Kindern und Jugendlichen 2006 im Kinder- und Jugendreport formuliert wurde. Diese haben mehr "Freiräume zum Ausleben" als zentrales Handlungsfeld im Nationalen Aktionsplan (NAP)" für ein kindergerechtes Deutschland 2005-2010" eingeführt und Verbesserungen eingefordert. Das Projekt zielt deshalb zunächst auf einen Überblick über die derzeitige Praxis der Kinderfreundlichkeit in der Entwicklung städtischer Freiräume. Die Städte und Gemeinden sollen in ihren Zielen bestärkt werden, Kinderfreundlichkeit auf allen Ebenen der Stadtentwicklung konsequent umzusetzen.

Grafische Karte zeigt die Städte und Gemeinden im Programm Stadtumbau (Ost und West) 2011. Städte und Gemeinden im Programm Stadtumbau (Ost und West) 2011 (Quelle: BBSR)

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