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Galileo Test- und Entwicklungsumgebungen

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Grafik GATE (Quelle: DLR)

Eine Besonderheit stellen fünf Galileo-Test- und Entwicklungsumgebungen dar, die über ganz Deutschland verteilt angesiedelt sind. Ihr Aufbau wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Diese Testgebiete bieten Forschern und Anwendungsentwicklern europaweit einzigartige Möglichkeiten zur Erprobung ihrer Anwendungen, Empfänger und Dienste, die auf Galileo basieren. Damit werden die Hersteller von Galileo-Produkten bereits heute unterstützt.

GATE

Die Galileo Test- und Entwicklungsumgebung GATE wurde im Raum Berchtesgaden errichtet. Sogenannte Pseudolites, die jeweils aus einem Galileo Signalgenerator und einer Sendeantenne bestehen, wurden nahe einzelner Berggipfel installiert und senden Galileo-konforme Signale in das Tal von Berchtesgaden.

Die Pseudolites können derart konfiguriert werden, dass der Überflug von sechs Satelliten einer Galileo-Konstellation simuliert werden kann. GATE bietet damit Anwendungs- und Empfängerentwicklern die Möglichkeit, ihre Hardware unter realen Umgebungsbedingungen zu testen und weiter zu entwickeln, Jahre bevor die Galileo-Satelliten im Orbit sind.

Derzeit können Signale der Galileo-Frequenzen E1, E5a und E5b sowie E6 simultan gesendet werden. Dieser simultane Mehrfrequenzbetrieb zusammen mit der Simulation einer Galileo-Satellitenkonstellation am Himmel ist das herausragende Alleinstellungsmerkmal von GATE.

GATE steht den Nutzern seit August 2008 operationell zur Verfügung. Der vorläufige Betrieb wird von der IFEN GmbH durchgeführt, ein endgültiger Betreiber wird derzeit ausgewählt.

SEA GATE

Die Galileo Testumgebung SEA GATE im Forschungshafen Rostock bietet Entwicklern von maritimen Anwendungen eine geeignete Umgebung zum Test ihrer Produkte für den Echtbetrieb von Galileo. Wie in GATE können Galileo-Signale der Frequenzen E1, E5a und E5b über sechs einzelne Pseudolites abgestrahlt werden. Im Unterschied zu GATE erfolgt jedoch lediglich ein Ein-Frequenzbetrieb. Auch die Simulation einer Satellitenkonstellation ist in SEA GATE nicht möglich.

SEA GATE kann insbesondere beim Navigieren in schwieriger Umgebung oder bei Anlegemanövern, auch und insbesondere bei widrigen Witterungs- und/oder Sichtverhältnissen unterstützen.

Die Mitte Mai 2008 begonnene Test-Betriebsphase wird von EADS RST (Rostock System Technik GmbH) durchgeführt und läuft noch bis Mai 2010. Die Signale in SEA GATE werden rund um die Uhr abgestrahlt und können von Nutzern empfangen werden.

Es ist geplant, SEA GATE um weitere Pseudolites zu erweitern, um auch die landseitige Containerumschlagfläche mit Signalen abdecken zu können. Somit könnte eine die Hafen-Logistik unterstützende Infrastruktur geschaffen werden, die den Containerumschlag von Land auf See zeitlich optimieren kann.

aviationGATE

aviationGATE wird am Forschungsflughafen Braunschweig als eine Testumgebung speziell für Luftfahrt-Anwendungen errichtet. aviationGATE bietet zwar einen Mehrfrequenzbetrieb, jedoch keine Simulation einer Satellitenkonstellation.

aviationGATE wird ab 2010 für die speziellen hohen Sicherheitsanforderungen für Luftfahrt-Anwendungen zur Verfügung stehen. Die Testumgebung ermöglicht damit Untersuchungen auf dem Gebiet der Vorfeldnavigation, die für Servicefahrzeuge auf dem Flughafengelände wichtig sind, aber auch auf dem Gebiet eines GNSS-unterstützten Landeanflugs.

Galileo above

Das Projekt "Galileo above" (Anwendungszentrum für bodengebundenen Verkehr) dient der Errichtung der beiden Galileo Test- und Entwicklungsumgebungen automotiveGATE und railGATE. Ab Frühjahr 2012 soll es dort möglich sein, Anwendungen für Galileo in diesen Bereichen schon vor dessen Betriebsstart zu testen.

automotiveGATE

Im Rahmen der Errichtung eines Automobil-Testzentrums (Automotive Testing Center, ATC) in unmittelbarer Nachbarschaft einer bereits vorhandenen Autobahnteststrecke in Aldenhoven-Siersdorf (bei Aachen) wird parallel das automotiveGATE aufgebaut. Es wird auf der vom ATC eingenommenen Fläche inklusive der angrenzenden Autobahnteststrecke den Empfang von Galileo-Signalen ermöglichen, die wie in GATE und SEA GATE über insgesamt sechs Pseudolites gesendet werden.

Ähnlich wie in SEA GATE wird das automotiveGATE zwar alle Galileo-Frequenzen zur Nutzung anbieten können, jedoch sendet jeder einzelne Pseudolite immer nur eine auswählbare Frequenz. Ein simultaner Mehrfrequenzbetrieb eines einzelnen Pseudolites ist derzeit nur in GATE möglich. Allerdings kann z. B. eine Kombinations-Konfiguration gewählt werden, in der drei Pseudolites auf der Frequenz E1 und drei Pseudolites auf E5 senden.

Im Bereich des automotiveGATE können z. B. sehr komplexe Kreuzungssituationen nachgestellt werden. Auch eignet es sich zur Erprobung von Fahrerassistenzsystemen und für Anwendungen für den LKW-Verkehr. So können praxisnah alle relevanten Fahrsituationen wie z. B. Kolonnenfahrt, Abstandsregelung, Kurvenlenkung und -warnung untersucht werden - ohne Behinderung oder Gefährdung des realen Straßenverkehrs.

railGATE

railGATE wird in Wegberg-Wildenrath (bei Aachen) mit insgesamt acht Pseudolites sowie Monitor-, Kontroll- und Referenzstation auf dem Gelände des von der Siemens AG betriebenen Prüf- und Validierungscenters für Schienenfahrzeuge errichtet. Das Prüfcenter verfügt über Gleisanlagen unterschiedlicher Spurweite mit einer Gesamtlänge von 10,9 km, die in zwei Testringen sowie weiterer Gleisstrecken angeordnet sind. Verschiedene Fahrsituationen können somit auf dem vom öffentlichen Schienenverkehr getrennten Gleisnetz des Prüfcenters ohne Gefahr oder Behinderung realisiert werden.

Durch die Errichtung des railGATE können die Vorteile von Galileo für eine Verwendung in sicherheitskritischen Bereichen des Schienenverkehrs untersucht werden. Auch die Verfolgung von Zügen unter Verwendung von Galileo kann genau untersucht werden.

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